Ethereum (ETH) steuert auf eine Marke zu, die selbst erfahrene Marktbeobachter kurz innehalten lässt: Fast die Hälfte aller ETH ist inzwischen im Staking gebunden. Laut Daten von Santiment hält der offizielle Ethereum Proof of Stake Contract aktuell rund 77,85 Millionen ETH.
Das entspricht etwa 46,59 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots und damit einem der höchsten jemals gemessenen Werte. Auch die Größenordnung in US-Dollar ist gewaltig: Santiment beziffert den im Staking-Contract gebundenen Bestand auf knapp über 256 Milliarden US-Dollar.
Damit verschiebt sich die Angebotsstruktur bei Ethereum spürbar: Ein immer größerer Teil der Supply liegt nicht frei beweglich an Börsen oder in Wallets, sondern ist technisch in den Proof of Stake Mechanismus eingebunden.
Der Trend ist nicht neu, aber die Beschleunigung ist auffällig: Laut Santiment ist die im Staking gebundene ETH-Menge in den vergangenen zwölf Monaten um 38,4 Prozent gestiegen.
Parallel wirkt der Markt derzeit fast wie eingefroren: Der Ethereum-Kurs hält sich seit einigen Tagen stabil im Bereich von rund 3.312 US-Dollar, während im Hintergrund immer mehr Supply aus dem freien Umlauf verschwindet.
Damit rückt bei Ethereum eine andere Kennzahl in den Fokus: Wie viel ETH bleibt tatsächlich liquide, wenn Staking zunehmend zur dominanten Angebotskomponente wird?
Der Ethereum-Kurs bewegt sich seit einigen Tagen relativ konstant zwischen etwa 3.250 US-Dollar und knapp 3.400 US-Dollar. Quelle: CoinMarketCap
Aus Marktsicht lassen sich aus dieser Entwicklung zwei gegensätzliche Narrative ableiten. Die optimistische Lesart: Fast die Hälfte aller ETH ist gestakt, weil Marktteilnehmer dem Netzwerk langfristig vertrauen. Der hohe Staking-Anteil würde damit weniger auf Verkaufsdruck hindeuten, sondern auf eine sinkende liquide Supply und eine stabile Validator-Basis.
Die skeptische Interpretation fokussiert sich dagegen auf Liquidität und Exit-Risiken. Sollte der ETH-Kurs stark fallen und viele Validatoren gleichzeitig aus dem Staking aussteigen wollen, könnten Auszahlungsmechanismen und Warteschlangen die Rückkehr der Token in den Umlauf verzögern.
Kritiker argumentieren zudem, dass eine sehr große gestakte Supply theoretisch die Intensität von Angebotsschocks erhöhen könnte, falls Ausstiege gebündelt auftreten. Zusätzlich wird angeführt, dass ein hoher Anteil gestakter ETH stärker durch eine vergleichsweise kleine Zahl an Entitäten beeinflusst werden könnte.
🔮Wie hoch kann der ETH-Kurs noch steigen?
Erfahre alles dazu in unserer langfristigen Ethereum Prognose bis 2030!
Parallel steigt die Belastung im Staking-Netzwerk. Daten von ValidatorQueue.com zufolge hat sich ein Rückstau aufgebaut, der einem Gegenwert von rund 8 Milliarden US-Dollar entspricht.
Neue Validatoren müssen demnach aktuell rund 45 Tage warten, bis ihre Einzahlungen aktiv werden und sie am Netzwerkbetrieb teilnehmen können. Damit erreicht die Staking-Queue den höchsten Stand seit Ende Juli 2023.
Ethereum rückt mit fast fünfzig Prozent gestakter Supply in eine neue Phase, in der die technische Struktur des Netzwerks direkte Marktwirkung entfalten kann. Die Chance liegt in einer stärker gebundenen Supply, die kurzfristig weniger flexibel auf Angebotsschocks reagiert.
Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass Verzögerungen wie die 45-Tage-Queue die Beweglichkeit im System reduzieren und Kapital länger festsetzen, als es viele Marktteilnehmer einkalkulieren.
Wer Ethereum bewertet, muss daher nicht nur auf Kursbewegungen schauen, sondern zunehmend auf Staking-Anteile und Warteschlangen als harte Datenpunkte im Proof of Stake Ökosystem.


