Wichtigste Erkenntnisse
Bei seinem Auftritt bei The Crypto Beat am 06.03. war Belshe direkt: Traditionelle Finanzinstitute sind konstruktionsbedingt kompromittiert. Banken wie Morgan Stanley, die Handelsschalter neben Obhutsdiensten betreiben, stehen vor inhärenten Interessenkonflikten, die krypto-native Unternehmen einfach nicht haben. Aus seiner Sicht ist dieser Konflikt keine unbedeutende Compliance-Fußnote – es ist ein grundlegender Fehler in der Struktur traditioneller Institutionen.
Die Logik ist einfach. Wenn eine Bank von Handelsaktivitäten profitiert, werden ihre Anreize rund um die Obhut – das Schützen von Kundenvermögen ohne eigenes Interesse am Marktgeschehen – verwässert. Belshe argumentiert, dass BitGo, von Grund auf rund um Obhuts- und Staking-Infrastruktur aufgebaut, diese Spannung nicht kennt. Das Geschäftsmodell funktioniert entweder als neutraler, sicherer Verwahrer oder es funktioniert überhaupt nicht.
Dieser Fokus zeigt sich in der Umsatzmischung. Mehr als 80% von BitGos Einnahmen stammen aus Obhuts- und Staking-Gebühren – wiederkehrende, relativ stabile Einnahmen, die nicht mit der Kryptomarkt-Volatilität schwanken wie börsenabhängige Modelle. Für institutionelle Kunden ist diese Vorhersehbarkeit wichtig.
Das Argument hat mehr Gewicht mit einer Bundesbanklizenz im Rücken. Ende 2025 erhielt BitGo die bedingungslose Genehmigung des Office of the Comptroller of the Currency, als National Trust Bank zu operieren – eine Bezeichnung, die ändert, wie regulierte Institutionen rechtlich mit einem Verwahrer zusammenarbeiten können. Wenige Kryptofirmen haben diese Hürde genommen.
Die operativen Zahlen sind beachtlich: 104 Milliarden $ an digitalen Vermögenswerten unter Obhut zum 30.09.2025, die über 4.900 institutionelle Kunden in mehr als 50 Ländern bedienen. Das ist kein Startup-Pitch – das ist eine etablierte institutionelle Präsenz. Der Umsatz für die ersten neun Monate 2025 erreichte 10 Milliarden $, verglichen mit 1,9 Milliarden $ im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Belshes breiterer Rahmen positioniert BitGo nicht als einzelnes Produkt, sondern als die zugrunde liegende Ebene, auf der die gesamte Kryptoindustrie läuft – was er als „das AWS der digitalen Vermögenswerte" beschreibt. Die Analogie ist bewusst gewählt. Amazon Web Services konkurrierte nicht mit den Unternehmen, die es antrieb; es wurde für sie unverzichtbar. Belshe setzt auf die gleiche Wette auf Obhuts-Infrastruktur.
Jüngste Schritte weisen in diese Richtung. BitGo liefert das Rückgrat für SoFi Banks SoFiUSD Stablecoin, eine Stablecoin-as-a-Service-Vereinbarung, die seine Infrastruktur direkt in das Produkt einer regulierten Bank einsteckt. Es tokenisierte auch seine eigenen Aktien auf Ethereum, Solana und BNB Chain in Partnerschaft mit Ondo Finance – ein Signal, dass es bereit ist, an der Grenze dessen zu operieren, was institutionelle Krypto-Infrastruktur leisten kann.
Das Timing von Belshes Argument ist kein Zufall. Mit verbesserter regulatorischer Klarheit und wachsendem institutionellem Appetit auf digitale Vermögenswerte wird die Obhutsebene zu einem ernsthaften Wettbewerbsfeld. Analysten bei Compass Point und Canaccord haben BitGo bereits als erstklassiges Übernahmeziel für traditionelle Finanzinstitute markiert – was in gewisser Weise eine Bestätigung von Belshes These ist. Wenn die Banken BitGo schlagen wollten, hätten sie es inzwischen getan. Stattdessen könnten sie es am Ende kaufen.
Für Belshe ist der Vorsprung nicht nur technisch – er ist architektonisch. Ein Unternehmen, das auf neutraler Obhuts-Infrastruktur aufgebaut ist, mit einer Bundeslizenz und hundert Milliarden Dollar an Vermögenswerten, ist ein anderes Kaliber als eine Bank, die einen Krypto-Schalter hinzugefügt hat. Diese Unterscheidung, argumentiert er, ist das, was Institutionen jetzt zu verstehen beginnen.
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und stellen keine Finanz-, Investment- oder Handelsberatung dar. Coindoo.com befürwortet oder empfiehlt keine spezifische Anlagestrategie oder Kryptowährung. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch und konsultieren Sie einen lizenzierten Finanzberater, bevor Sie Investitionsentscheidungen treffen.
Der Beitrag BitGo's CEO Says Traditional Banks Can't Win the Custody War – Here's Why erschien zuerst auf Coindoo.


